[AUTOREN]: Schicksale

Dieser Artikel schildert, was in einer literarischen Agentur passiert ist. Ein Mitarbeiter hat Geld unterschlagen. Viel Geld. Im Laufe der Zeit hat er 3,4 Millionen Dollar beiseite geschafft. Tantiemenzahlungen von Autoren, um genau zu sein. Einer der Betroffenen ist Chuck Palahniuk, Autor von Fight Club und vielen anderen großartigen Büchern. Palahniuk steht am Rande der Pleite. Das muss man sich mal vorstellen. Palahniuk schildert die Sache aus seiner Sicht. Das ist bitter, schlicht und ergreifend. Es wird Jahre dauern, bis er vielleicht sein Geld bekommt. Prozesse, eine sich wehrende Agentur, was auch immer. Aber Palahniuk hat Glück – sein Verleger, Leser und Autorenkollegen unterstützen ihn.

Autor Dean Wesley Smith nimmt den Fall zum Anlaß, um schlicht zu erklären, weshalb kein Autor mehr einen Agenten brauchen würde. Smith mag es sich leicht machen, und er kann gut reden und ist eloquent und weiß, wie man verhandelt und Geschäfte führt. Das kann nicht jeder. Aber im Grunde sind seine Argumente simpel und stichhaltig.

Brian Keene, seines Zeichens Horror-Autor, verlegt bei Festa, hatte eine schlimme Begegnung. Er erlitt beim Verbrennen von Treibgut schwere Verbrennungen, die ihn ins Krankenhaus brachten. Keene hat, wie so viele amerikanische Autoren, keine Krankenversicherung, keine Rechtsschutzversicherung, gar nichts. Er muss Cash beim Arzt zahlen. Die Verbrennungen 1. und 2. Grades (hart am 3. Grad) wurden behandelt und er nach Hause geschickt. Im Moment kann er nur mit 1 Finger schreiben.

In seinem letzten Newsletter schildert er (mit 1 Finger getippt) den Unfall recht eindringlich – die wüsten Schmerzen trotz der Medikamente, die abfallende Haut, etc … und den horrenden Umstand, eine Rechnung von über 300.000 Dollar auf sich zukommen zu sehen. Keene hat letzte Jahr 60.000 Dollar verdient und kommt gerade mal so über die Runden. Dazu kommt, da er schwere Verbrennungen an den Armen erlitten hat, kann er auf längere Sicht nicht an seinen Büchern schreiben. Das bedeutet, es wird eine Lücke in den Tantiemen entstehen, sein Einkommen wird sinken.

Brian Keene hat relatives Glück. Es gib eine Spendenkampagne für ihn, die zeigt dass seine Leser ihn wirklich schätzen. Er wird wohl von der Haven Foundation von Stephen King unterstützt werden. Aber die Nachwirkungen wird er auf Jahre spüren. Nicht nur wird er körperliche Narben davontragen, die erste Hilfe, die er jetzt finanziell erhält, wird wohl auf Dauer kaum ausreichen. Wer also kann, mag und etwas Geld übrig hat, kann bei bei Amazon oder Festa direkt die deutschen Ausgaben kaufen. Auch lohnt sich der Kauf seiner englischen Bücher, will man ihn unterstützen. Er bekommt Tantiemen und auf die wird er künftig noch mehr angewiesen sein als bisher.

Natürlich sind das drastische Fälle und dazu kommt das absurde amerikanische System, das dich eher krepieren lässt, als dir zu helfen. Aber die Solidarität der Leser dieser Autoren ist schon berührend und beeindruckend. Ich weiß es nicht, will es niemals in Erfahrung bringen müssen, aber ich glaube, bei uns wäre solch eine Unterstützung wohl kaum zu erwarten. Das ist eine der wenigen Sachen, die an den Amerikanern wirklich positiv sind. Das andere ist die Ungeniertheit, einfach Bücher und Filme zu schaffen, die schlicht und ungeniert unterhalten wollen, ohne einen höheren Anspruch irgendeiner Art zu erheben. Einfach unverkrampft. Das gefällt mir auch. Aber da schweife ich ab.

Was die zwei Schicksale eindrucksvoll vorzeigen ist, dass niemand von uns davor gefeit ist, in die Scheiße zu geraten. So absonderlich oder unvermutet kann sie gar nicht sein, um nicht zu passieren. Nimmt irgendwie die ganze Romantik aus dem Beruf des Autors, solche Dinge zu lesen. Nichts, wovon man sich entmutigen lassen darf, aber Realismus hat noch nie geschadet.

Danke fürs Lesen. Habt eine schöne Zeit und passt auf euch auf.


Der Beitrag [AUTOREN]: Schicksale erschien zuerst auf JohnAysa.net


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