[RANT]: Festplattenabgabe

Ächz. Ich dachte, der Schwachsinn mit der Festplattenabgabe wäre vom Tisch, dann habe ich in derstandard.at -> diesen Artikel darüber gefunden. Unsympathischer ist es kaum mehr möglich, sich für diese Raubritter-Abgabe stark zu machen, wie es der Geschäftsführer der IG-Autoren macht.

Glauben die Leute, die sich dafür stark machen tatsächlich, dass das a) sinnvoll ist, b) ihnen spürbar Geld bringt, c) gut für den Ruf der kassierenden Künstler ist und d) was anderes als modernes Raubrittertum ist?

Kommt dieser Scheiß tatsächlich, werde ich benötigte Datenträger künftig nicht mehr in Österreich erwerben. Mal abgesehen davon, dass mir die meisten der Unterzeichner vollkommen unbekannt sind, werden sie es mir auch bleiben. Und die paar verhungerten Namen, die mir mehr oder weniger vage geläufig sind, bei denen werde ich sorgfältig darauf achten, sie zu meiden und keinen Cent meines knappen Geldes in diese Richtung zu werfen.

Ich verdiene nicht genug mit meinen Büchern, um davon leben zu können. Tja, ist beschissen, aber so ist es nun einmal. Vielleicht wird es mal. Ich hoffe es natürlich, keine Frage, alles andere wäre gelogen. Aber meine Einkünfte auf diese Art auffetten zu wollen, finde ich geradezu abstoßend und die im Artikel zitierte Aussage des IG-Geschäftsführers über den Elektrohandel bringt mich zum Kotzen.

Vorgehen, Wunsch und kolportierte Summe hinterlassen bei mir den Anschein legaler Piraterie, was pervers ist: Diejenigen, die eine Entschädigung für “Piraterie” einfordern, tun das mit Methoden, die dieser gleichen, mit dem Unterschied, dass dieses Verhalten legal ist.

Ich möchte mit dem Verkauf meiner Bücher Geld machen, nicht damit, dass ich mir mit Hilfe solcher Methoden ein zusätzliches Körberlgeld verschaffe, weil ich der von totaler Fehleinschätzung meiner eigenen Wichtigkeit getriebenen Meinung anhänge, einen selbstgerechten, selbstgefälligen Anspruch darauf zu haben. Weil meine Fresse, ich bin ein Künstler.

Ich kann mich viel nennen – auch Künstler (ich nenne mich Autor). Ob das, was ich scheiße, erbreche oder abspritze auch Kunst ist, das ist eine sehr individuelle Ansichtssache. Erscheint es mir als künstlerisch interessant, wertvoll und was weiß der Teufel was noch, dann kann ich ja den Künstler unterstützen. Sei mir unbenommen. Ist sehr befriedigend. Mehr, als dazu gezwungen zu werden.

Eine Zwangsabgabe, die ALLE berappen müssen, ist genau der gleiche Bockmist wie Fernsehgebühren für einen von machtgeilen, egozentrischen Politikern und Selbstdarstellern gegängelten Staatssender, bei dem man besser nicht die Frage nach dem Kulturauftrag stellt.

Die ganze Welt nötigt, gängelt, nervt, stiehlt einem Zeit und Geld, terrorisiert mit Selbstgerechtigkeit, religiösem Fanatismus, Wahnsinn, Terror, Gewalt, politischer Ignoranz, politischer Selbstsucht, politischer Verlogenheit, politisch motivierter Ausbeutung. Und da meinen tatsächlich so genannte Künstler, sich diesem Alltagsterrorismus anschließen zu müssen?

Frage: Wie geht es euch eigentlich?

Ich bestrafe Leute mit Zwangsabgaben und Kopierschutz und Generalverdächtigung? Wie zum Teufel komme ich dazu, eine beschissene Scheißgebühr für irgendwelchen vorgeblichen Kunstscheiß bezahlen zu müssen? Wie komme ich dazu, für diese seltsamen Leute irgendeine Abgabe abzudrücken, wenn ich eine Festplatte kaufe, auf der ich meinen ganz eigenen, höchstpersönlichen Scheiß speichern will?

Zwangabgabe wie diese Festplatten-Raubritter-Abgabe sind Steinzeitmethoden ewiggestriger Troglodyten.

Wo ich bei meinen Büchern Mitspracherecht habe, erscheinen die eBooks ohne DRM. Das habe ich bei ein paar Verlagsbüchern so durchgesetzt, und bei den Self-Publishing Werken sowieso. Dann landet irgendwann mal etwas davon in einer Tauschbörse, Shit happens. Das nennt man Berufsrikio. Verhindern kann ich es nicht und der Versuch dessen ist im Endeffekt nichts weiter als eine Bestrafung des ehrlichen Käufers.

Manchmal kommt mir vor, Künstler vergessen, dass “Künstler” ein Beruf ist. Einer, der mit Selbstausbeutung und Stress und mehr Wochenstunden als jeder Angestellte zu tun hat, mit Selbstverwirklichung, Befriedigung, Individualismus, mit Existenzsorgen und Freiheiten und Freude an Arbeit – und ha! Da ist das entscheidende Wort: Arbeit.

Online-Präsenz pflegen, Geschäftsfeld erweitern (versuchen), in der Branche am Stand der Dinge bleiben, Neuigkeiten begreifen und umsetzen – eine Flut an Informationen und Arbeiten, die noch nicht einmal die Kommunikation mit Lesern (Oft Lust, gelegentlich Last, fast immer bereichernd) oder gar das eigentliche Verfassen eines Buches (Konzentration = Anstrengung = Arbeit) beinhaltet.

Arbeit, die letzten Endes aufgeht oder nicht. Ich kann natürlich potenzielle Käufer versuchen zu animieren, mir Geld zu spendieren und so Umsatz zu erwirtschaften, da gibt es ein paar Möglichkeiten. Die verkehrteste Methode um an Geld zu kommen ist die Ausbeutung anderer – die mittelalterliche Raubritter-Abgabe.

Ich glaube, letztlich entspringt so ein Unfug einer Idee der Angst. Angst vor Veränderungen, Angst davor, mit Enwicklungen und zunehmender Selbstverantwortung, mit dem steigenden Risiko des Scheiterns zu leben. Angst, Neues lernen zu müssen. Man klammert sich an Dinge, die man kennt. Abgaben, Steuern, Gebühren – das kennt jeder. Das Problem ist. dass die schweigende Akzeptanz dieser Ausbeutungsform drastisch schwindet. Das Hinnehmen wird weniger. Daran festzuhalten ist problematisch und geht nach hinten los.

Auch ich scheiße mich tagtäglich vor all den Risiken und Möglichkeiten, den Veränderungen und dem Wahsinn an, den das Leben als Autor bereit hält – und da ist die Existenzangst noch nicht mal dabei.  Hunderte Dinge, die von mir Anpassung, Adaptierung, Gewöhnung, Lernen, Akzeptanz verlangen, werden mir in den Arsch gerammt, nicht zuletzt Existenzangst. ABER: ich will trotzdem nicht bei einer RaubritterFestplatten Raubritter-Abgabe mitkassieren.

In einer Tauschbörse zu landen (als Bildhauerin? Echt?), ist ja auch eine Art von Kompliment, man hat die Schwelle der Null-Wahrnehmung überschritten. Das ist schon mal eine gute Sache. Illegales Runterladen ist sowohl Fluch wie auch Segen. Das hat wie alles zwei Seiten: Es kann (kann!!!) mich Geld kosten, es kann (kann!!!) meinen Namen verbreiten und mir beim Steigern der Popularität helfen und es kann (kann!!!) tatsächlich Umsatz erzeugen. (gibt Studien, wonach das runterladen durchaus auch Käufe fördert – eben gezielter, weil ich dann genau weiß, was ich erwerbe.) Für all das gibt genug Beispiele und von allen Seiten gefälschte Studien und Statistiken, ich will grad nichts suchen und verlinken, bin zu sauer dafür und will mich nur aufregen. Der Beitrag trägt ja auch das Schlagwort “Rant” nicht ohne Grund. Die Festplattenabgabe ärgert mich so richtig.

Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Es wird immer unerwünschte Gratis-Konsumenten geben, es gab sie immer schon, in der einen oder anderen Form seit … seit es Menschen gibt?! Das ist nichts Neues! Gratis-Konsumenten gibt es in allen Bereichen des Alltags und des Lebens, altbekannt. Gehört dazu. Die Mehrzahl davon hätten niemals etwas gekauft, scheiß der Hund drauf. Aber Hauptsache, sie werden für verlogene Statistiken der Abteilung “wenn nur die Hälfte von denen, die gratis geladen haben, gekauft hätten, dann…

Dann was? Nichts, nämlich! Vielleicht Umwegrentabilität. Kann sein. Schwer abzuschätzen. Möglich. Wie all diese Dinge ohne Garantie. Ist so. Lebt damit. Müssen wir alle. Nervt? Leb damit.

Die mittelalterliche Idee, durch Raubrittertum und Zwangsbesteuerung alle dafür büßen zu lassen, dass ein paar selbsternannte Wichtige und Feiglinge zusätzliche Einkünfte generieren können, die wird nach hinten losgehen. Und zwar für den aktuell angerotzten Elektrohandel. Für den Rotzer. Für die beteiligten “Künstler”. Und hoffentlich auch für die Minister, die den Unfug durchsetzen können/wollen. Vielleicht nicht sofort. Aber ein so unverschämter Griff in die Geldtasche rächt sich.

Das ist meine persönliche Meinung. Nicht mehr, nicht weniger. Und wäre ich nicht so angepisst deswegen, hätte ich es vielleicht sorgfältiger, weniger ordinär ausgedrückt.

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