Ausschnitt Cover: John Aysa: Dinner for One

[KOMPLETTE STORY]: Dinner for One

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DINNER FOR ONE:


Cover: John Aysa: Dinner for OneDas Paar, das durch das vornehme Restaurant schwebt, strahlt genug Arroganz für ein halbes Dutzend Personen aus. Er, von der Gestalt her eine unleugbare Ähnlichkeit mit Monsieur Hulot aufweisend, nur statt dessen Freundlichkeit Hochnäsigkeit ausstrahlend. Ihre leicht welke Eleganz weist eine Art von Schlichtheit auf, die sie unübersehbar der Herkunft verdankt und die sie niemals hat abschütteln können.
»Das ist der Hüsch«, murmelt die Laola-Welle, die durch den konservativen Schick des überteuerten wie überschätzten Restaurants zieht. Der Hüsch, das ist Philip Andre Hüsch. Der mit dem Bestseller, den jeder und sein Nachbar kauft. So viele Exemplare, dass der Verlag vor Freude über die Absatzzahlen den Geburtstagskuchen des Autors mit Blattgold hat belegen lassen. Wie auch nicht, ist ihm doch das Kunstwerk gelungen, einen sperrigen Experimentalroman von achthundert Seiten Umfang auf den ersten Platz der Bestsellerlisten zu hieven.
Und das trotz eines Titels wie Feuerwerk im Himmel oberhalb von Pristina. Der Titel ist auch der einzige Satz des Buches, in dem es Großbuchstaben zu finden gibt. Und nicht einmal da gibt es Umlaute, denn die hat der Autor, der seinen Text wohlweislich dem Rhythmus eines Haiku untergeordnet hat, gleich zur Gänze weggelassen.
Ein Rezensent, der sich eigentlich nur mit Science-Fiction beschäftigt, hat dieses Buch in einer Besprechung tatsächlich als einprägsam schmerzhafte Erfahrung für die Zukunft bezeichnet. P.A. Hüsch hat deshalb im Büro seiner Lektorin wie ein trotziges Kind mit den Füßen gestampft und herumgeschrien, dass er ja den anderen Titel wollte, den ursprünglich am Titelblatt des Manuskripts verzeichneten Titel. Aber dieser billige Halsabschneiderverein von Verlag habe es nicht der Mühe für wert befunden, um sich die Nutzungsrechte zu sichern.
Man hätte sich bestimmt mit Lawrence Norfolk einigen und das Buch Ein Nashorn für den Papst nennen können. Woher sollte er wissen, dass ein solcher Roman schon existierte und was kümmerte es ihn? Er ist der Hüsch. Er gibt sich nicht mit Trivialliteratur ab.
Noch während sie auf der Welle des Erkennens in das Restaurant surfen, wird eilig und nahezu unbemerkt eine Karaffe vom Rotwein, den der Hüsch bevorzugt, bereitgestellt.
Der Hüsch und seine Frau bevorzugen einen ganz bestimmten Tisch und an Tagen, an denen der Verdacht naheliegt, dass sich der Autor die Ehre gibt, hier zu erscheinen, wird der Tisch einfach freigehalten. Es lohnt nicht finanziell, aber das Renommee ist Gold wert.
Der Tisch vom Hüsch! Das ist ein Slogan, den nicht jedes Restaurant aufbieten kann.
Der Hǖsch und seine Frau nehmen am von ihnen bevorzugten Tisch Platz. Der Stammkellner ist nicht da und das irritiert den Hüsch zuerst. Er verabscheut Abweichungen von Routine und Vertrautem. Stattdessen scheint diese junge Dame für den Service zuständig zu sein. Nun, wohlgefällig darf man sie uneingeschränkt nennen, das fällt dem scharfen Augen des Autors sofort auf.
Die kleine Schlampe sieht wahrhaftig gut aus, stellt Caroline Christa Hüsch, geborene Josefine Kravagna, stirnrunzelnd und missmutig fest. Sie mag nicht, wie der Hüsch das geschmeidige Geschöpf anstarrt. Sie kennt den Blick und sie hasst ihn. Nach dem Abend wird er wieder was von ihr wollen und sie ist nicht ansatzweise an den plumpen Avancen ihres Mannes interessiert.
Sie ekelt der Anblick eines nackten männlichen Wesens mit dem lächerlichen Schwanz, im besonderen, wenn das Ding aufgerichtet ist. So ein krummes, hässliches Ding. Sie mag den Geruch vom Hüsch ganz allgemein nicht und speziell den seiner Intimzone, und sie findet die klebrige Konsistenz des Ergusses abstoßend. Außerdem ist er nicht gut im Bett. Viel zu sehr von sich eingenommen, obwohl bei seiner etwas unterdurchschnittlichen Größe keinerlei Grund dafür gegeben ist.
Liebhaber, findet die Hüsch-Kravagna, ist ein viel zu schönes Wort, um es im Zusammenhang mit dem Mann an ihrer Seite zu beschmuddeln.
Nicht, dass die Hüsch-Kravagna am eigenen Geschlecht interessiert wäre. Schon beim Gedanken daran, oral bei einer Frau zu Werke zu gehen, schüttelt es sie vor Abscheu. Sex ist einfach grauslich. Es ist nass und klebrig und riecht und oh weh, wenn dabei einem auch noch ein Fürzchen entfleucht, ist es sowieso für lange Zeit unmöglich, auch nur das nackte Spiegelbild zu betrachten.
Nachdenklich blickt sie ihren Mann an, der dem hübschen Ding hinterher starrt, wie sie mit dem Arsch wackelnd davonstolziert. Zugegeben ein wahrlich sehenswerter Podex, da kann sie ihm das Starren kaum verdenken. Eine Arschbacke passt wohl perfekt in eine Männerhand und so, wie sich das Hinterteil bewegt, ist es zugleich stramm und weich genug, um anschmiegsam zu sein und einen Schwanz zu verwöhnen. Die Kleine hat einen tadellosen Hintern und damit hat sie schon gewonnen. Mehr braucht sie nicht.
Männer, findet die Hüsch-Kravagna, sind großteils zu simpel gestrickt, um mit Intelligenz und Knackarsch in einer Person vereint zurande zu kommen. Das überfordert sie. Haut man dann noch Titten in den Mix, ist sowieso alles ein riesiges Durcheinander.
Sie hätte den Hüsch sogar ermutigt, der attraktiven jungen Dame nachzusteigen, wenn er nicht immer so einen abstoßend perversen Gesichtsausdruck zur Schau stellte, sobald sein Kümmerling von Schwanz den Jagdtrieb verspürt.
Ein wenig schaut er drein, wie sie sich vorstellt, dass ein Kinderficker grimassiert, wenn er die Tür zum Verlies aufsperrt. Die Hüsch-Kravagna hat einen ordinären Charakterzug und der lässt sie an die Beschreibung vom aus den Augen quellendem Pimmelrotz denken. Genau so schaut der Hüsch drein. Der Bart mildert zwar die hässlichen Züge um den Mund, aber der Blick, der geht gar nicht.
Eigentlich, so stellt die Hüsch-Kravagna zum wiederholten Mal fest, kann sie den Hüsch gar nicht leiden. Er ist einfach eine praktische Gewohnheit. Er lässt sich kommandieren, ohne es zu bemerken, und ermöglicht ihr ein angenehmes Auskommen.
Immerhin bekommt sie in zwei Wochen den Jack zugestellt, eine männliche Sexpuppe. Klinisch sauber, hält die Klappe und tut, was und wann sie will. Das ist es. Der gute Jack, der wohl wegen dem Jackhammer so heißt, und laut Werbung auch wie ein Presslufthammer rammeln kann, kommt in der teuersten Ausführung daher. Dieses Spitzenmodell, das sie sich gönnt, kann man auf individuell gewünschte Bewegungen programmieren.
Das heißt für sie, wenn sie sich die Zigarette auf der Innenseite ihres Schenkels ausdämpft, kann sie den Stummel Jack geben, um sich gleich der Wundversorgung zu widmen.
Das ist Luxus. Ohne Gemecker und Unverständnis. Exquisit.
»Sag mir, was ich mir aussuchen soll«, reißt der Hüsch sie aus den Gedanken. Sie schreckt hoch. Fängt er schon wieder damit an?
»Das kann ich dir nicht sagen«, erwidert sie zurückhaltend. Wider besseren Wissens hofft sie, dass er den Zaunpfahl dieses Mal zur Kenntnis nimmt.
»Nein, CeCe, das meine ich nicht. Ich will wissen, was ich mir zum Essen bestellen soll«, gibt er ruhig zurück. Natürlich hat er nicht kapiert. Tut er nie. Dazu ist er von sich viel zu sehr eingenommen, denkt, dass alle Welt ihm zu Diensten sein muss. Sie ist seines CeCe überdrüssig.
Aufgeblasener, nichtsnutziger Schwanz. Der fast eine halbe Million Bücher verkauft hat, die außer ein paar Kritikern niemand auch nur angeschaut hat. Aber alle haben es daheim im Regal stehen, weil das Marketing ihnen eingeredet hat, dass das was hermacht.
»Ich habe dich schon verstanden, Philip. Such dir bitte selbst eine Speise aus der Karte und bestelle sie. Ich entscheide nicht, was du essen möchtest. Das ist lächerlich.« Ist es, aber ehrlicherweise muss sie zugeben, das sie diese Charade schon viele Jahre lang veranstalten.
Nur heute, da mag sie so gar nicht. Heute ist nicht der richtige Tag dafür. Sie will in Ruhe an Jack denken und nicht an den Schwachkopf an ihrer Seite. Der allerdings kapiert nichts.
»CeCe, sei nicht so bockig, nicht in aller Öffentlichkeit. Wir haben einen Ruf zu verlieren.«
»Warum? Weil du dich als Idiot gebärdest, nicht imstande, für sich selbst ein Essen auszusuchen?« Das war sowohl lauter wie auch deutlich gröber, als sie es eigentlich ausdrücken wollte. Aber er hat sie gerade aufs Blut gereizt.
Der Kerl treibt sie die Wände hoch, als wäre sie am Höhepunkt des Eisprungs.
»CeCe, das ist unangemessen!«
»Halt die Klappe, Philip. Unangemessen ist, wie du dem jungen Ding nachstarrst. Du geiferst«, zischt sie ihn an. »Du hast einen einzigen beschissenen Bestseller gelandet, Gott weiß, warum das passiert ist. Das wird dir nie wieder gelingen. Also halte die Klappe und schau selbst in die Speisekarte.«
Er starrt sie an. Unglaube ist die deutlichste Emotion, die sie erkennt, dahinter verborgen nimmt sie die Andeutung von Zorn wahr. Kommt der Schlappschwanz auf seine Stummelbeine und versucht sich in Widerspruch? Soll er es wagen, sie putzt ihn nieder, dass ihm der Verstand schwirrt.
»Wage es nicht, so mit mir zu sprechen.«
»Was sonst, Philip? Willst du mir drohen? Ausgerechnet du, du Weichei? Du Waschlappen? Du bist nicht einmal ein richtiger Mann, Philip. Mach mich geil und befriedige mich, zeig mir, dass du weißt, was ich will. Dann darfst du einen anderen Ton mir gegenüber einschlagen. Sonst halte deine Klappe, du hast keine Ahnung von nichts. Du hast nur das Glück, mit diesem beschissenen Buch ordentlich Geld gemacht zu haben«, herrscht sie ihn an.
Dass die Servierkraft vor ihrem Tisch steht und etwas betreten dreinschaut, ignoriert sie. Sonst hätte sie sich auch noch über die kecken Brüste geärgert, die sie zur Schau stellt. Diese jungen Dinger mit ihrem unverschämten Selbstbewusstsein, der Unbekümmertheit, die Reize zur Schau zu stellen. Das war zu der Zeit, als sie so ausgesehen hat, noch nicht möglich. Und heute, wo sie gegerbtes Leder als Haut und einen Hängebusen hat, gibt es nichts, das sie zur Schau stellen möchte.
»Du verfluchte Schabracke«, entfährt es dem Bestsellerautor. Der Hüsch steht auf und stürmt davon.
Die Hüsch-Kravagna schaut ihm kopfschüttelnd nach und wendet sich dann der Servierkraft zu.
»Ich hätte gerne gebackenen Parasol zur Vorspeise und das Kalbsfilet«, gibt sie ihre Bestellung auf. »Und, mein liebes Ding, tun Sie sich meinen Mann bloß nicht an. Der ist den Ärger, den er verursacht, nicht mal ansatzweise wert. Geld kriegen Sie keines aus ihm raus, die Konten verwalte nämlich ich«, sagt sie äußerst charmant und erfreut sich am fassungslosen Blick der Servierkraft, die gerade nicht zu sagen weiß, was sie soeben mit voller Wucht gerammt hat.
Und da stürmt auch schon der Hüsch eiligen Schrittes wieder herbei. Sein Gesicht ist wütend verzogen und der Bart sieht struppiger aus, als er an den Tisch tritt.
»Na? Ausgeflennt?«, höhnt die Hüsch-Kravagna. Da trifft das Beil sie mitten ins Gesicht. Es knackt, Blut spritzt in alle Richtungen. Der Hüsch fällt fast um, als er das Fleischerbeil wieder aus dem Knochen zerrt, um nochmal zuzuschlagen. Und wieder. Und neuerlich. Und ein weiteres Mal.
Als er endlich schwer keuchend fertig ist, hat er die Hüsch-Kravagna in grobe Stücke zerhackt. Alles ist mit Blut bespritzt und die Servierkraft steht immer noch reglos da, die Augen weit aufgerissen, von Kopf bis Fuß in Blut gebadet.
Der Hüsch starrt sie an und bekommt einen Orgasmus, den er mit überraschender Wucht in die Hosen entlädt.
»Ich hätte gern den Gulaschtopf«, sagt er zur Servierkraft. »Kann die Küche ausnahmsweise dieses Fleisch hier verwenden? Grob zerkleinert habe ich es schon. Oh, das Beil gehört dorthin zurück«
Er setzt sich, leert das Glas Wein auf einen Zug, blickt zur Servierkraft hoch, kommt nochmal.
»Das hat gut getan.«


Vielen Dank! Wenn die Geschichte gefallen hat, es gibt noch mehr – GRATIS LESESTOFF und das GESAMTWERK


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Der Beitrag [KOMPLETTE STORY]: Dinner for One erschien am 12.12.218 auf JohnAysa.net


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