Gestern habe ich einen Freund verloren. Nach 26 Jahren unbeschwerter, friktionsfreier und entspannter Freundschaft kam das Ende. Nicht gänzlich unerwartet, aber doch überraschend in seiner Geschwindigkeit – und überaus depremierend.

Vor knapp einer Woche haben wir uns zu einem Treffen verabredet. Ein paar Tage später, als ich ihn anrufen wollte, war er nicht erreichbar. Doch, irgendwie, aber er hat den Anruf nicht mitbekommen. Er hat den Anruf noch angenommen, aber nicht mehr darauf reagiert. Am darauffolgenden Tag kam die Bitte, nicht mehr anzurufen.

Gestern ist er gestorben. Als wir das Treffen verabredet hatten, klang er munter, fröhlich. Wir haben blöde Witze gerissen. Ich war nicht in der Stadt, so haben wir ausgemacht, ich besuche ihn im Krankenhaus, wenn ich zurück bin. Ich habe ihn nicht mehr gesehen.

Ein reiches, erfülltes Leben, viel zu schnell beendet. Scheiß Krebs. Was bleibt, sind Erinnerungen. Zahlreich, vielfältig. Klischeesätze, zutreffend.

Was bleibt, ist die Erleichterung, ihn zu Ende nicht mehr gesehen zu haben – so bleibt mir das Bild des Mannes, den ich mehr als ein Vierteljahrhundert gekannt habe. Die Erleicherung, dass ich es ihm und mir erspart habe, in Tränen auszubrechen.

Was bleibt, ist die Trauer darüber, ihn nicht mehr gesehen zu haben.

Es gibt so viele Dinge zu erzählen. Zu viel.

Ich schreibe diese Zeilen, um zu realisieren, dass ich ihn nie wieder sehen werde, niemals mehr mit ihm über Martin Scorsese diskutieren werde, keinen Wein mehr trinken, nicht mehr lachen werde. Ein Leben, das er mit nüchtern-fröhlicher Entspanntheit geführt hat, mit Ironie und voller Wissbegierde.

Und ich schreibe diese Zeilen, um damit zurecht zu kommen, dass hier der erste meiner Freunde gegangen ist.

Adieu.

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maria rosa gomez soberon
Gast

traurig, so traurig. ich vermisse Alfred so sehr, es geht ihm aber gut,
er zitierte einst: und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein
mich gekannt zu haben.Du wirst immer mein Freund sein.
Du wirst dich daran erinnern, wie gerne Du mit mir gelacht hast.

Attila
Gast

Tut mir so leid, Alter. Die Einschläge kommen näher in unseren Jahren, hilft nix. Carpe diem, wie die Wikinger sagten!

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