Kennt ihr das auch? Es gibt alte Cover, die haben etwas an sich, bei dem man entweder nicht genau weiß, warum sie ansprechend sind. Andere wiederum sind so definitiv und eindeutig, dass es schmerzt. Dieses Exemplar hier ist die dritte Variante. Warum zum Teufel schaut man dieses Bild näher an – vielleicht, weil es wie ein Autounfall ist? Oder weil es ein verkanntes Meisterwerk erkennen lässt? Gute Frage. Keine Antwort. Also, ran an den Speck:

Dan Shocker: Im Würgegriff des Nachtmahrs

Cover: Larry Brent Bd. 79Serie: Larry Brent, Bd. 79; Zauberkreis Verlag, erschienen 05/1983; Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati (Info: Zauberkreis ↗)

Nun ist der Zeichner des Titelbilds, Rudolf Sieber-Lonati ↗, beileibe kein Unbekannter und wird in Fankreisen durchaus geschätzt. Er war ein Massenfabrikant, hat hunderte Cover angefertigt, die wenigen im Link gezeigten Beispiele haben zum Teil eine durchaus ansprechende Qualität. Lonati war ein sehr guter Handwerker, wie man nachlesen kann, der den Inhalt anschaulich zu präsentieren gewusst hat.

Und dann gibt es dieses Cover. Genau. Na? Schmerzen die Augäpfel schon?

Porno oder doch Grusels?

Das Erste, was mir zu dieser Kreation einfällt ist – Porno. Der dicke, merkwürdig aussehende Nachtmahr hockt über der Frau, als wolle er sie zwischen die Brüste ficken. Oder um ihr einen Blowjob aufzuzwingen. Also ein Porno mit optisch etwas weniger ansprechenden Darstellern. Titillation ist das Bild eigentlich nicht, was ja im Sinne des Verkaufs durchaus wünschenswert gewesen wäre – obwohl die geneigte Leserschaft ganz genau wusste, dass das Bild oft keinen wirklichen Bezug zum Inhalt hatte – all die Titelbilder Luis Royo oder Boris Vallejo, nur so als Beispiel. In dem Fall habe ich keine Idee, wie man das erregend finden soll.

Diese Interpretation ist wohl eher meinem schmutzigen Verstand geschuldet. Insgesamt ist das Cover in seiner Hässlichkeit total daneben – ich finde es großartig! Das kommt bestimmt sehr unterhaltsam, das Original daheim zu haben und ahnungslose Besucher mit dem Bild zu konfrontieren.

Die zweite Sache, die an diesem Heft überaus bemerkenswert ist … was sind “Grusels”? Steht direkt unter dem Serientitel, vor dem Autorennamen. Eine Schöne Wortschöpfung, das sind sie schon einmal fix. Trotzdem – what the fuck?

Hust, ich glaube, es ist schon klar, was gemeint sein soll. Jürgen Grasmück aka Dan Shocker hat eine Menge Werke geschrieben und das sollte wohl irgendwie darauf hinweisen, so in der Art wie Hey, das ist nur eine Larry Brent-Story, da gibt es noch viel mehr davon, oder ähnlich. Denke ich. Aber vielleicht ist das alles viel ausgefeilter und komplexer, als ich es in meiner Arglosigkeit oder Simplizität meine.

Trotzdem, “Grusels” ist eine niedliche Formulierung, da muss ich doch eher an Hui Buh oder an Der kleine Vampir denken als an eine Serie für eher erwachsene Leute. Wobei, erwachsen ist ein durchaus stark relatives Wort, das auch nicht in direktem Zusammenhang mit dem biologischen Alter einer Person steht.

Spannend, was ein derart absurdes Titelbild für Gedanken in Gang setzen kann. Schließlich ist das, was ich mir dazu alles denke, weit mehr, als hier geschrieben steht. Aber über den ungeschriebenen Rest bleibt der Mantel des Schweigens gelegt – oder geworfen, oder was weiß ich.

Larry Brent ist eine Heftserie, die immer noch ihre Sammler und Fans hat. Klar, einige der alten Serien hatten ihren eigenen Charme und man hat sie gelesen, trotz ihrer Schwächen und Ungereimtheiten, auch, weil sie Spaß machten und einst ungeheuer populär waren. Und das darstellten, was danach die Taschenbücher waren – breite Unterhaltung für jedermann. Manche Hefte liefen (und laufen) unglaublich lange.

Das Romanheft feiert sogar ein kleines Revival. So werden die Gespenster-Krimis wieder aufgelegt, Perry Rhodan läuft immer noch, hat sogar einen parallel laufende Reboot hervorgebracht. Auch John Sinclair und Professor Zamorra, Maddrax und andere Serien erfreuen sich immer noch ihrer neuen Ausgaben. Ein paar neue Serien sind dazugekommen, so zum Beispiel Santo Silva. Und entgegen all der Vorurteile, die sich bis heute halten, waren manche der Hefte solide bis sehr gut geschrieben.

Was jedoch so manche Titelbilder angeht …


Disclaimer: Ich habe das Heft nicht gelesen, kann daher gar nicht sagen, ob der Inhalt treffend charakterisiert wird. Das Bild für sich genommen macht einfach viel Spaß und animiert zu unterhaltsamen Gedanken. Ich muss schauen, ob ich nicht irgendwoher die Zeit nehme, das Heft auch zu lesen. Wenn ich das schaffe – ohne Gewähr, weil eine Frage der Zeit – werde ich diesen kleinen Betrag um die Leseerfahrung ergänzen.


Der Beitrag [FUNDSTÜCK]: Exquisites Cover Larry Brent erschien am 10.06.2020 auf JohnAysa.net


Ausschnitt Cover: Larry Brent Bd. 79

 

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