Wie schreibe ich eine Dystopie? Die kurze, zynische Antwort lautet: Schau dir die Realität von 2020 an und wirf noch ein paar Jahre drauf.

Füge etwas schicke Technik dazu und vergiss nicht auf Sex. Sex sells. Lass den Sex in deiner Geschichte von der verbotenen Art sein, das schafft eine zusätzliche Zwangslage und mehr Drama. Verbotener Sex von der Art: gesellschaftlich nicht akzeptabel weil Oberschicht und Unterschicht. Eine rigide Gesellschaft, die gleichgeschlechtliche Liebe ablehnt. Liebende aus verschiedenen Ländern, die im Krieg zueinander stehen oder durch eine Seuche auseinander gehalten werden. Irgendein Shakespeare-Drama.

Verzichte darauf, mit viel technischem Schnickschnack zu prahlen. Nichts ist schneller überholt und lässt ein Buch vorzeitig altern als das, was dann irgendwann belächelte Retro-Technik wird. Schaffe ein paar Bezugspunkte, anhand derer sich deine Leserschaft mit Raum oder Zeit, Person oder Umständen in Verbindung setzen kann.

Eine Dystopie ist eine Geschichte, die sich mit der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und ihren großen und kleinen Dramen beschäftigt und dies in einer Betrachtungsweise, die von Hoffnungslosigkeit für das Gute geprägt ist. Von daher rückst du das Drama ins Zentrum deiner Handlung. Deine Figuren leiden am Leben und der Welt. Die Dystopie hat kein Happy End, sonst wäre sie eine (Social) Utopie. Bestenfalls ist das Ende ambivalet mit einer höheren Wahrscheinlichkeit des negativen Ausgangs und kann bestenfalls mühevoll anders ausgelegt werden. Aber eigentlich … nicht.

Im Gegensatz zur Realität muss die Dystopie in sich logisch sein. Habe trotzdem keine Angst vor Übertreibung. So lange die Geschichte sich selbst treu bleibt, kann sie gar nicht zu absurd werden. Die Wirklichkeit, in der du als Autor lebst, ist stets absurder und unlogischer. Bist du in dieser Hinsicht zu realistisch, wird niemand dein Buch mögen, weil es schlecht konstruiert wirkt.

Achte darauf, dass deine Figuren nicht zu logisch, nicht zu viel von allem sind. Sie müssen Schwächen haben, Fehler, die auch als Symbole für das herhalten, was die Vorausschau auf die Zukunft so negativ macht.

Halte dich mit Zufällen zurück. Der Dramatik wegen kannst du einen solchen Effekt einsetzen, denn das kann die Wirklichkeit auch ziemlich gut, aber übertreibe nicht. Wieder gilt, zu viel Realität in dieser Hinsicht lässt die Geschichte schwach erscheinen.

Mit diesen Grundlagen bist du schon am richtigen Weg. All die Füllstoffe, die aus dem kargen Gerüst eine ordentliche Geschichte machen, finden sich beim Verfassen des Werkes.

Viel Erfolg!

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Ergänzungen? Widerspruch? Sonstiges?


Der Beitrag [SCHREIBWERKSTATT]: Dystopie erschien am 19.12.2020 auf JohnAysa.net


Eigenes Foto: DeSade Dystopie.

 

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