[FILMEMACHER]: Guillermo del Toro

johnaysanet-barcodeAlso. Vor ein paar Tagen habe ich auf Facebook eine Diskussion um Guillermo del Toro gelesen. Ausgelöst durch ein Posting, in dem die Klage darüber kam, dass die Story von Crimson Peak eher schlecht sei. Das Drehbuch wird sogar mit Uwe Boll in Verbindung gebracht! Daraus haben sich mehrere Klagen über schwache Storys angehängt – z.B. bei Pacific Rim.

Das alles finde ich derart abwegig, dass es im Grunde keinen Kommentar wert ist. Aber ich bin grantig. So. Dem Gejammer kann ich, mit Verlaub, nicht zustimmen. Nicht nur, weil ich Guillermo del Toro überaus schätze.

Eine tiefergreifende Handlung bei Pacific Rim? Geht’s noch? Das ist ein Film über Riesenkampfroboter, die Monstern in die Fresse schlagen. Das ist Kaiju. Ich wüsste nicht, worum es da mehr gehen soll als um möglichst eindrucksvolle Schauwerte und Ron Perlman in einer komischen Nebenrolle? Der Film ist perfekt so, wie er ist, er hat ausreichend Handlung. Er glänzt durch gekonnt angewendete 3D-Effekte, liefert eine berauschende Optik und Farbenpracht. Die Geschichte ist schlicht gut genug, um all das zu transportieren, um den haarsträubenden Unfug unterhaltsam und befriedigend zu erzählen. Mehr wäre ein Overkill, der den Film runieren würde. Er ist gut so, wie er ist. Ich bin 2 Stunden im Kino gesessen und habe mich glänzend unterhalten.

Und was Crimson Peak angeht – da sind 2 Fehler passiert: Zum einen das Marketing, das versucht hat, den Film als weit ausgeprägtere Horror-Story zu verkaufen, als der Film sein wollte. Zum anderen hat der gute Guillermo selbst auch nicht seine Sinne beieinander gehabt, als er andauernd erzählte, das sein kein Horror-Film. Vermutlich wollte er ein breiteres Publikum für seinen Film interessieren und das ohnehin dezente (aber wirkungsvolle) Schock-Element des Streifens mildern. Und irgendwie muss man ihm auch zustimmen – Crimson Peak ist im Grunde seines Herzens kein Horror-Film.

Crimson Peak ist eine Romanze mit Geistern. Ein Rausch von Farben und Bildern, eindrucksvollen Kulissen, der superb-morbiden Atmosphäre. Der Film erzählt eine Geschichte “von früher”, bemüht sich dabei, in gewisser Weise die Stil-Mittel jener Zeit heranzuziehen. Der Film ist ein Dienstmädchen-Roman. Ein simple Geschichte zum schnellen Hausgebrauch. Ein Penny Dreadful.

Oder von mir aus, er erzählt die Geschichte, wie sie Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem (deren Werke haben sehr oft gespenstischen Spuk im biedermeierlichen Gewand beinhaltet),  vielleicht auch Nataly von Eschstruth oder Eugenie Marlitt, später auch Hedwig Courths-Mahler erzählt haben. Nur eben mit den Mitteln und Effekten von del Toro. Und das ist eine einzigartige Kombination, die am Massengeschmack vorbeigeht, am Verstehen des Großteils vom Publikum.

Der Film steht in einer literarischen Tradition, über die Guillermo del Toro wohl sehr gut Bescheid weiß – man muss sich nur seine Literatur-Vorschläge und Leselisten ansehen, die er twittert – sagenhafte Werke zur Phantastik in allen Formen. Mag ja sein, er ist kein Literat (ich weiß nicht, wie viel von den The Strain (Die Saat) Romanen, auf denen er als Autor genannt wird, tatsächlich von ihm stammt und was sein Co-Autor geschrieben hat).

Aber del Toro hat einen sechsten Sinn dafür, wie er seine Handlung verdichtet, in den Vorder- oder Hintergrund stellt. Pans Labyrinth: Ein großes, kleines Drama. The Devil’s Backbone: Eine intime Geschichte vor großer Kulisse. Cronos: Welch seltsame Form des Vampirismus, so viel mehr, so intim erzählt. In diesen Fällen ist die Geschichte sehr wohl in den Vordergrund gerückt und dicht, fesselnd, ein prominenter Akteur.

Über die Geschichte von Crimson Peak zu motzen zeigt nur, dass man nicht verstanden hat, was der Mann gemacht hat. Von der Klage darüber, dass ein paar Effekte jenen aus dem von ihm produzierten Horror-Streifen Mama ähnlich sind, will ich gar nicht erst anfangen. Die Klage richtet sich selbst durch ihre totale Lächerlichkeit.

Im Grunde seines Herzens ist der Mann ein humaner Romantiker, der seine eigenen Geschichten erzählt. Und anstatt dass man sich darüber freut, dass er eigene Stoffe entwickelt und dabei auch den Fan-Boy und Geek raushängen lässt, anstatt sich an dem Scheiß von Reboot-Remake-Restart und solchen Blödheiten zu beteiligen (was kommerziell wohl einträglicher und sinnvoller für ihn wäre), wird gemeckert.

Perfekt? Nein. Kleine Makel lassen sich immer und überall finden. Spielen diese Makel eine Rolle? Gar keine. Der Gewinn, den man als Zuschauer mitnimmt, überwiegt mögliche, eingebildete und tatsächliche Schwächen.

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Doc Nachtstrom
Gast
boah 🙂 das du deinen ärger über meine ansagen nicht dorthin adressierst wo sie hingehören, nämlich unter mein entsprechendes posting auf facebook, wundert mich schon sehr! damit nimmst du mir jede möglichkeit für einen konstruktiven austausch. in deinem ärger(?) über meine ansagen zitierst du mich nämlich auch noch dermassen falsch, das ich mich schon ziemlich ungerecht behandelt fühle. zur sache: 1. pacific rim: niemand erwartet sich ein oscarreifes drehbuch. glaubhafte charaktere aber schon. und wenn du die nebenrollen abgesehen von ron perlman hernimmst, muß man einfach sagen: hohle pappkameraden, deren eindimensionalität einfach suaer aufstößt (auch anderen kinobesuchern,n nicht nur mir)… Read more »

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