[SCHREIBEN]: Das SHE-Paradox, oder auch nicht

Ok. In the Beginning …

Ich weiß, dass einige Leser der SHE/Prinzessin-Romane irritiert darüber sind, wie lange es dauert, den vierten Band fertigzustellen. Ganz unter uns, ich bin selbst damit nicht glücklich und wünschte, es ginge schneller. Teufel auch, ich wünschte, ich wäre fertig. Schließlich warten zahlreiche weitere Werke auf mich, nicht zuletzt KRISTINA, dass ich endlich weitermache.

Ich habe schon mehrmals kundgetan, dass es mir an Zeit mangelt – seit zwei Jahren, noch ein Jahr. Ab Juli nächsten Jahres wird sich die Situation plangemäß deutlich verbesseren. Aber der Zeitmangel ist nicht, worum es hier geht. Ich möchte auf ein anderes Element hinweisen, das von Bedeutung ist und das liegt schlicht und ergreifend dort, wo der Text hakt:

Das Problem ist Band 4.

Verwirrend? Ja, denke ich mir. Schließlich möchte man meinen, nach drei Bänden hat der Autor eine gewisse Routine darin, die Geschichte zu erzählen, nicht wahr? Hat er auch! Und genau das ist ja das Problem. Ich will es an einem geradezu perfekten Beispiel erläutern, über das ich tatsächlich rein zufällig gestolpert bin und das mit meinem Leseverhalten zu tun hat.

Einige von euch haben sicher The Extinction Cycle gelesen, von Nicholas Sansbury Smith, in der deutschen Fassung bei Festa erschienen. Wer die Serie nicht kennt, das macht nichts. Es geht nicht um den Inhalt direkt, den ich in aller Kürze so zusammenfasse: Die Menschheit steht durch eine vollkommen neuartige Art von Zombies kurz vor der Ausrottung. Die Welt ist so richtig im Arsch und die wenigen verbliebenen Menschen bauen auch noch typische Menschenscheiße.

Die Serie ist Military-Kram: Horror/Action/Science Fiction. Die ersten drei Romane waren eine perfekte Einheit und hätten durchaus auch so beendet werden können. Mit vielen offenen Fragen zwar, aber egal. Umfang, Tempo, Action, alles hat gepasst. Der Umfang der Informationen und Details, nicht zu viel, nicht zu wenig, sitzt. Ich bin hingerissen von der Trilogie. Vor ein paar Tagen habe ich Band 4 beendet – für das Buch gibt es eine treffende Rezension, zufällig (Achtung, Ironie) von mir.

Ich habe auch die ersten 3 Bücher rezensiert, Links sind hier weiter unten bzw. bei der Rezension selbst. Aber zusammengefasst sieht die Sache so aus: Mit Band 4 hat der Umfang pro Buch deutlich zugenommen. Es gibt jetzt zu viele militärisch-technische Details, die mich als Leser weder interessieren noch bedeutsam sind. Plötzlich sind da Rückblenden in die Vergangenheit, die mich weder interessieren noch der Figur näher bringen.

Was jedoch wirklich den Spaß zu verderben beginnt, ist die Wiederholung. So gut und temporeich das Buch auch geschrieben ist, unterm Strich passiert genau dasselbe wie in den vorherigen Bänden. Massenhaft Action, mehr davon, gefährlichere Gegner, gute Ideen – aber das Schema bleibt gleich. Alles läuft nach demselben Muster ab. Eine Zombie-Telenovela.

Ähm.

Mir kommt das sehr bekannt vor. Band 4 aus dem SHE-Zyklus hat eine hartnäckige Vorliebe dafür, wiederzukäuen. Die erste Hälfte des Buches läuft genau so ab, wie es die Bände 1-3 vorexerziert haben. Das kann es aber nicht sein, darf es nicht sein. Die zweite Hälfte des Buches ist entschieden anders, geht neue Wege, führt zu den nachfolgenden Büchern, die das Universum ausbauen.

Aber die erste Hälfte ist trotz einiger neuartiger Komponenten darin eine Wiederholung. Ich bin stilsicherer – darüber habe ich im letzten Beitrag geschrieben. Ich weiß, wohin das SHE-Universum wachsen soll. Die Eröffnung ist schon fast traditionell, aber der erste Teil des Romans tut nicht viel mehr, als Dosis und Härtegrad der Sauereien nach oben schrauben und den Weg für den zweiten Teil der Geschichte ebnen. Das ist zu wenig.

Die SHE-Romane sind das Rückgrat des Universums, an dem sich die anderen Romane auffädeln und wenn dieses Rückgrat bricht, wird auch das Universum implodieren. Und mit einer öden Wiederholung von Abläufen, die keine Leser mehr interessiert, ist die Gefahr durchaus real. Nicht nur das, auch der Akt des Schreibens wird schal und öde, gerät zur Pflichtübung.

Nun, ich kann (und will) nicht einfach hergehen und radikal neu erfinden – das wäre ein Schaden für die Serie, würde Leser abschrecken und passt gar nicht mal zur Art, wie unsere Prinzessin etabliert wurde. Radikale Änderungen können die Spinoff-Werke enthalten, keine Frage. Ausruhen auf dem Erfolgsmuster ist ebenso unstatthaft. Hat der Autor kein Vergnügen am Schreiben, merkt man das beim Lesen. Dafür gibt es unzählige Beispiele. Das sind dann jene Bücher, die zwar im Grunde genommen nicht schlecht sind, aber irgendwie … fehlt was. Man kann es nicht genau benennen, gut, vielleicht ein wenig routiniert und zu perfekt und einen Tick zu viele vertraute Elemente, die erkennt man, aber da ist noch was. Aber was? Der Autor hatte keinen Spaß am Buch.

Und genau hier ist The Extinction Cyle mit dem Band 4 angekommen und genau da stehe ich mit SHE Band 4. Bei Prinzessin war der Titel da, noch bevor das Buch über das erste Kapitel hinaus geschrieben war. Im Moment habe ich ein gutes Dutzend Arbeitstitel verschlissen, weil keiner davon sitzt und alle einen negativen Einfluss auf den Inhalt hatten. Absurd, aber es ist so. Auch für mich eine komplett neue Erfahrung.

Wie ich es in der Rezension geschrieben habe, werde ich vom Extinction Cycle auch Band 5 lesen und wohl auch Band 6, aber im Moment eher als Pflichtübung und weil ich es hasse, eine Serie mittendrin abzubrechen. Nicht, weil ich immer noch so begeistert bin wie von der ersten Trilogie.

Genau dieses Schicksal möchte ich Band 4 von SHE ersparen. Das, was die Irre aufführt, soll immer noch Spaß machen und auf ihre herb-exotische Art soll sie immer noch eine Scharfmacherin bleiben. Es dauert, aber das Buch wächst. Und alles, was zwischendurch und davor erscheint, die Erzählungen und Novellen, sie helfen mir, den Kopf zu klären und die Gedanken aufzufrischen. Um sie auf SHE zu fokussieren.

Es ist ein seltsamer Prozess, den ich in dieser Form noch nicht kannte. Ich lerne jeden Tag dazu, mache Fehler, korrigiere sie. Keine Sorge, es wird.

SHE will be back.


Nicholas Sansbury Smith: The Extinction Cycle:

Band 1: Verpestet [Rezension] als Paperback und Kindle Edition bei Amazon …

Band 2: Mutierte Bestien [Rezension] als Paperback und Kindle Edition bei Amazon …

Band 3: Krieg gegen Monster [Rezension] als Paperback und Kindle Edition bei Amazon …

Band 4: Entartung [Rezension] als Paperback und Kindle Edition bei Amazon …

Band 5: Von der Erde getilgt [Rezension folgt] als Paperback und Kindle Edition bei Amazon …

Band 6: Metamorphose [Rezension folgt] als Paperback und Kindle Edition bei Amazon …


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