Spiel mir das Lied vom Tod war die allererste Soundtrack-LP, die ich mir gekauft hatte. Ich ging noch zur Schule, in die Unterstufe, und habe ewig lang mein Taschengeld zusammengekratzt, bis ich mir die Platte leisten konnte. Ich besitze sie noch heute. Sie ist auf dem unteren Bild zu sehen.

Vor einigen Jahren, 2014, habe ich ein Konzert in der Wiener Stadthalle erleben dürfen, bei dem Morricone seine Werke dirigiert hat. Es war das für mich beeindruckendste und berührendste Konzert, bei dem ich je gewesen bin. Ich war selig. Kein Konzert davor und danach hat mir so viel gegeben wie Morricone.

Die meisten CDs, die ich noch habe, sind jene von Ennio Morricone. Ich habe sie schon lange nicht mehr im Regal stehen, kein Platz und kein brauchbarer CD-Player, sondern in einer Box verstaut. Sie sind digitalisiert und ich erfreue mich nahezu täglich an Stücken daraus. Es ist nicht im Ansatz eine vollständige Sammlung, das ist mir bei über 500 Alben nie gelungen. Manche CDs waren auch einfach unmöglich zu bezahlen. Aber ich habe wohl deutlich über einhundert Soundtracks, ein Teil davon sind sehr schöne Ausgaben in kleinen Auflagen.

Es gab in meinem Umfeld über viele Jahre hinweg zwei Fraktionen. Die einen hielten Ennio Morricone für den größten Komponisten von Filmmusik. Die anderen bevorzugten Jerry Goldsmith. Ich schätze und mag Goldsmith sehr, er hat einige großartige Werke geschrieben (Das Omen, Alien, Planet der Affen, Star Trek, Gremlins, usw…). Aber es gab für mich nie einen Zweifel an der Überlegenheit (welch absurde Idee eigentlich) von Ennio Morricone.

Morricones Musik hat mich – und tut es bis heute intensiv – auch beim Schreiben begleitet. In jeder Playlist, von der ich mich beschallen lasse, ist Morricone dabei. Ich lasse mich von Musik oft sehr in meiner Stimmung beeinflussen und Morricone bedeutet für mich Wohlgefühl. Ich kann seiner Musik meine Stimmung anvertrauen.

Das dänische Symphonieorchester hat einige hervorragende Interpretationen eingespielt, sehr nahe am originalen Klang der Stücke und trotzdem mit eigener, gewitzter, Note. Einige Beiträge finden sich auf YouTube ↗. Ein Komponist, dessen Musik für mich ähnlich bedeutend ist wie Morricone, ist Regisseur John Carpenter. Auch sehr intensiv empfinde ich einige Alben, die Hans Zimmer komponiert hat.

Eine Form von Perfektion ist für mich The Thing, der Film von John Carpenter, mit dem (untypischen) Soundtrack von Ennio Morricone. Morricone klingt hier sehr wie Carpenter selbst. Perfekt eiskalter Klang des Sountracks, bei dem Morricone den ihm eigenen Minimalismus seiner opulent wirkenden Orchestermusik auf Synthesizer übertragen hat.

Um die Bedeutung seiner Musik richtig einzuschätzen, kann man versuchen, einige große Filme wie Es war einmal in Amerika oder auch Spiel mir das Lied vom Tod, beide von Sergio Leone, und The Untouchables, von Brian dePalma, szenenweise ohne Ton zu schauen.

Die ziemlich trashigen Fantasy-Filme Red Sonja und Hundra leben einzig durch die Musik Ennio Morricones, die ihnen Weite und Niveau verleihen, die nicht wirklich vorhanden sind. Der gar nicht mal so schlechte Action Film Der Profi, 1981, mit Jean-Paul Belmondo, wird durch das Morricone-Stück Chi Mai zu einem herausragenden Film erhoben, der eigentlich hauptsächlich der Musik wegen in Erinnerung geblieben ist. Dabei war Chi Mai ursprünglich nicht einmal für diesen Film komponiert.

Morricones Musik wird noch eine Ewigkeit bleiben und nachwirken.



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Der Beitrag [ERINNERUNGEN]: Zum Tod von Ennio Morricone erschien am 09.07.2020 auf JohnAysa.net


Bild: Eigenes Foto - LPs Ennio Morricone

 

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