[LESEPROBE]: Prinzessin: Die letzte Kriegerin (Bd. 3)

Cover: John Aysa: Die letzte KriegerinPRINZESSIN: DIE LETZTE KRIEGERIN

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01: Die Beobachter

Fahle, verkrüppelte Hände. An einer davon ein sechster Finger, an der anderen waren Zeige- und Mittelfinger zusammengewachsen. Sie gestikulierten fahrig.

»Sie sind unterwegs.« Der Sprecher würgte die Worte heraus wie faulende Fleischbrocken, die den mit üblen Schwären gefüllten Mund an klarer Artikulation hinderten. Schleimsprech.

Eine aufgequollene Hand mit dicken Wurstfingern voll Ringen, die einst der Zierde gedient hatten und jetzt von blasser, madig wirkender Haut überwuchert wurden, klatschte auf den Hinterkopf des Sprechers. Die schuppige Epidermis platzte buchstäblich auf. Schwarzes, übel riechendes Blut quoll hervor. Es vermengte sich mit dem gleichfalls unter dem Hieb zerplatzten Inhalt einer monströsen Eiterpustel zu einer zähflüssigen Melange.

»Du sollst nicht bestätigen, was offensichtlich ist. Überflüssiges Gerede, Sünder.«

»Verzeiht, Oberaufseher«, nuschelte der Gemaßregelte und unterdrückte jeglichen Schmerzenslaut. Die Verletzung brannte und juckte wie verrückt. Stank bestialisch, wie eine Klärgrube. Er musste gegen den überwältigenden Drang ankämpfen, die Wunde zu kratzen. Zitternd vermied er krampfhaft ein Rülpsen, als Magensäure hochstieg und ihm die Speiseröhre verätzte.

Jetzt dem Oberaufseher unangenehm aufzufallen, hätte extreme Bestrafung nach sich gezogen.

Ungeachtet der eigenen Worte wiederholte der Schläger die Aussage des Untergebenen, murmelte leise. Stummelsätze und Wortfetzen. Die Retinopathia centralis serosa ließ ihn das abgegriffene, vor Dreck starrende Instrumentenpult verzerrt und farbverfremdet, mit grauem, ausfransendem Fleck wahrnehmen.

Ein weltfremdes Weltbild. Gedanken verschwendete er keinen daran. Der Wille des Göttlichen würde geschehen. An der Richtigkeit zu zweifeln oder dagegen anzukämpfen, verhieß Blasphemie, Bestrafung … und am Ende den Tod.

Er seufzte, schlug dem Dummkopf vor sich noch mal auf den Schädel. Den aufsteigenden Mief von Fäulnis und Krankheit nahm er nicht wahr. Der Geruchssinn war schon undefinierbare Zeiten außer Gefecht.

Er wischte das an den Händen klebende Blut gedankenverloren in die vor Dreck und Ausscheidungen starrende Beinbekleidung. Erkrankung und Degeneration in klebrig-steifen Schichten lesbar aufgetragen.

Was kommt, ist unvermeidbar, rezitierte er den stets Trost spendenden Leitsatz. Die unverrückbare Richtigkeit dieses dogmatischen Grundsatzes galt auch für die Abwandlung, die sich perfekt zur Meldung des Untergebenen gesellte: Wer kam, traf ein, war da. So sei es.

Er hustete und rotzte, schnaubte blutiges Nasensekret in den Raum. Der Schleim spritzte über das Steuerpult vor ihm, besudelte die ringsum Sitzenden. Es kümmerte niemanden.

Was kam, war unvermeidbar.

02: Scheiße

She stand in einer Nische, eingeklemmt zwischen verbeultem, rostigem Metall, unfähig, sich lautlos vorwärts oder rückwärts zu bewegen. Eine Position, die ihr schon von Haus aus wenig behagte. Sogar absolut nicht in dem Moment, wo ihr ausgeprägtes, körperliches Unwohlsein die Überhand gewann.

Sie würgte und erbrach.

Die Kotze spritzte aus dem Mund, auf den Rost unmittelbar zu den Füßen. Der Auswurf troff das Kinn hinunter, rann in die Klamotten, bildete eine stinkende, glitschige, mit Brocken unverdauter Nahrung durchsetzte Schmierschicht, die sich über ihre Haut verteilte.

Sie war, bedingt durch die erzwungene Haltung, nicht in der Lage, etwas gegen die Magenkrämpfe zu tun, die sie plagten und unaufhaltsam eine Ladung Durchfall in Richtung Enddarm schoben. Das Zurückhalten des dringenden Bedürfnisses der Erleichterung war inzwischen extrem schmerzhaft. Der Kampf, den sie an zwei Fronten zugleich führte, raubte ihr mehr Kraft, als sie erübrigen konnte.

Und war letztlich völlig aussichtslos. She verlor. Ein messerscharfer, krampfender Schmerz fuhr ihr durch den Unterleib, wollte sie in eine gekrümmte Körperhaltung zwingen. Das war nicht möglich und verdoppelte folglich die Qualen.

Die Scheiße explodierte aus ihr raus. Das Zeug füllte augenblicklich die Hose, schmierte sich den Weg die Beine hinab, tränkte den Stoff, klebte ihn an die Haut. Der Geruch brachte sie neuerlich zum Würgen.

Verflucht noch mal.

Das durfte doch nicht wahr sein. Ein weniger günstiger Zeitpunkt für Brechdurchfall hatte sich wohl kaum finden lassen.

Zur Hölle damit.

Eine Folgekolik brachte She zum Zähneknirschen und beförderte mit nass klingenden Fürzen Nachschub zwischen den Arschbacken hervor. Wenigstens ließ der Schmerz im verkrampften Unterleib nach. Welch Erleichterung. Die Beschwerden hatten schon erste, gefährlich negative Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit gezeigt.

Das alles wäre halb so schlimm gewesen, wenn … Ihr gegen die Hüfte gepresster Arm schoss seitlich hoch. Die um den Griff des Messers geballte Faust rammte die Klinge mit brutaler Wucht in den massigen Schatten, der unmittelbar neben dem Versteck aufgetauchte.

Die Erscheinung stieß ein gurgelndes Geräusch aus, wankte beiseite, hieb ungezielt nach ihr. Traf das Metall, das sie verbarg, verbeulte es. Die Wirkung war einem direkten Faustschlag in die Magengrube gleichzusetzen.

Ihr Inneres wurde großräumig gequetscht. Sie kotzte, schiss und erstickte – alles zugleich. Mit einem verzweifelten Ruck befreite sie sich aus dem Versteck, plumpste zu Boden, schlug blindlings mit dem Messer zu. Traf auf Widerstand.

Ein Aufheulen.

She robbte vorwärts, rutschte aufgrund der eigenen Schmierigkeit aus, klatschte auf den Bauch. Uff. Scheiße und Kotze spritzten seitwärts.

Sexy, dachte sie angewidert, schlitterte ein Stück, stach noch mal in die Kreatur. Sie erwischte irgendetwas Wichtiges.

Blut schoss in einer mittelfingerdicken Fontäne aus der Wunde und plätscherte ihr warm auf den Rücken.

Als würde mir jemand ins Kreuz wichsen und pissen, dachte sie. Das Gefühl weckte gelindes Amüsement in ihr. Aber Sperma und eine goldene Dusche sind mir hundertmal lieber als dieser – buchstäbliche, ich lach mich kaputt, ha ha ha – Scheiß.

Irgendwie unterhaltsame Gedanken ohne jeden Sinn.

She robbte vorwärts, schlug den ziellos nach ihr fassenden Arm beiseite und kletterte auf die gefallene Kreatur.

Mit wuchtigen Stößen begann sie, das Messer in den Körper des Wesens zu bohren. Einmal, zehnmal, unzählige Male. Blut perlte, sprühte, sprudelte, und irgendwann, als der Rausch nachließ, war sie von Kopf bis Fuß in dickflüssigen, zähen, blutfarbenen Sirup gehüllt.

Geruch und Schmiergefühl überwältigten sie.

She rutschte von der Kreatur und kotzte krampfhaft Galle, presste die paar Tropfen Magensekret mit einer unterleibsverkrampfenden Gewalt hervor, die sie in die Hose pinkeln ließ.

Der Tag der Entsch… Ausscheidung.

Erschöpft sank sie zur Seite. She konnte echt nicht mehr sagen, wonach sie stank. Die Melange war eindrucksvoll übelkeitserregend. Mühsam kam sie auf die Beine. Zeit, etwas gegen die beschissene Befindlichkeit zu tun.

Mit brennenden Augen taumelte sie zurück zum Gitterrost, von dem sie gekommen war, um das nächsthöhere Laufgitter im Maschinenraum zu erklimmen.

Rings um sie schlingerte das Schiff. Wasser schwappte herum, brackiges, faules Meerwasser, das seinen Teil zum Gestank beitrug.

Merkwürdigerweise konnte sie hier unten das Meer überdeutlich hören. Die Wellen klatschten unmittelbar neben ihr gegen den Rumpf, begehrten Einlass, um zu holen, was ihnen zustand.

Die Geräusche klangen wie eine gichtkranke Hexe mit Brechdurchfall.

Wie überaus passend, dachte sie.

03: Scheiße zum Quadrat

Keine Verschnaufpause. Irgendwo im Schiff war eine verbliebene Kreatur unterwegs, ein Wesen, das von seinem dreimal verfluchten Schöpfer Alekto getauft worden war. Es hatte eine einzige Aufgabe – zu zerstören, was ihm der Meister befohlen hatte. Das war alles.

Das Frankenstein-Monstrum war auf sich allein gestellt und folgte stur der letztgültigen Anweisung. Von der Änderung der Pläne, die sein göttlicher Vater in allerletzter Sekunde befohlen hatte, war dem Wesen nichts bekannt. Die Adaptierung auf die neuen Umstände war im letzten Moment am herrschenden Chaos gescheitert, das der in Trümmern aufgehende Steg verursacht hatte.

Der Kill-Schalter im primitiven Verstand war umgelegt, und damit war die Sache klar.

Deck 9, Atrium: Leichen pflasterten seinen Weg.

Mit bedächtigen Schritten, die angesichts ihres klebrigen und tropfenden Zustands erstaunlich wenig Lärm fabrizierten, bewegte sich She durch die Trümmerlandschaft. Fotogalerie, Restaurant, Lounge, ein paar Shops. Überall blutige Körperteile, Ausrüstung und die schiffseigenen Trümmer.

Arme, aus Schultergelenken gedreht. Beine, abgerissen. Rümpfe, aus denen weiße Knochensplitter ragten, umkränzt von zerrissenem Gewebe. Klaffende Bauchhöhlen mit heraushängenden Innereien.

Das Scheißvieh dachte nicht mal im Ansatz daran, auch nur irgendwie etwas anderes zu tun, als lebendiges Fleisch zu toten Brocken zu zerfetzen.

Berserkern ohne Sinn und Verstand.

Falls das Ding sie übersähe, könnte es sie bestimmt hören, die quietschend-schmierigen Geräusche, die sie verursachte. Hoffentlich hielt der Quarantänegürtel, den sie um weite Teile der Decks gezogen hatten.

So es sie nicht sah, roch es zweifelsohne den widerlichen Gestank, den sie mit sich brachte wie ein mittelalterlicher Unheilsbote. Der hatte einst das Nahen der Pest angekündigt, davor gewarnt, während er sie aus jeder stinkenden Eiterbeule ausschwitzte.

She schüttelte den Kopf. Es machte gar keinen Sinn zu versuchen, leise zu sein. Sie stank und quietsche und – oh, danke, Magen – rülpste und furzte. Pestilenzatem, boah. Grauenhaft.

Ranzige Wichse, was zum Teufel war mit dem Dreck nicht in Ordnung gewesen, den man ihr serviert hatte? Oder – Drecksfut – wurde sie bloß von einer besonders ausgeprägten Form der Seekrankheit heimgesucht?

Das Schiff bewegte sich in schweren Schlingerbewegungen durch die aufgewühlte See. Tauchte in Wellentäler, krängte, schwoite, tat, was auch immer diese verdammten Lustschaukeln bei Stürmen machten. Es war ein riesiges, massives Wrack und entsprechend träge folgte es den Vorgaben des Ozeans, aber es ritt die Wellen unbarmherzig.

Der Ozeanriese und die See schienen in einem gemächlichen, intensiven Fick verfangen zu sein. Der Dreckskahn obenauf zeigte, wie geil er die stoßenden Wogen reiten konnte, die das Schiff rammelten und alle Augenblicke darauf abspritzten.

Grandios. Kotzen, scheißen, Schiffsporno im Kopf.

Der rostige Rumpf dröhnte unter den Schlägen des aufgewühlten Wassers: Lass mich rein, du Sau, lass mich rein.

Er knirschte und knackte, wenn sich Millionen Liter schäumender Flüssigkeit über Deck und Aufbauten ergossen, ihren Weg in die zahllosen Mösen und Arschlöcher des Leibes fanden. Die Löcher des Schiffes mit Ozeanejakulat fluteten.

Vielleicht fuhren Männer die ganze Menschheitsgeschichte lang schon deshalb so gern zur See – sie durchpflügten unendliche Mengen an Wichse: die Welle ein Fick, der Sturm ein Rudelbums, der Brecher ein Cumshot.

War nicht ohnehin von der See als Geliebter die Rede, von den Umarmungen der Wogen?

Fotze und Arsch juckten. Sie musste dringend aus dem Fäkalüberzug, der sie bedeckte. Nun vielleicht … She fiel auf den Rücken, drehte sich herum und warf das Messer.

Die Waffe prallte gegen das Ding hinter ihr und klapperte nutzlos zu Boden. Die Kreatur brüllte, taumelte, als das dröhnende, scheppernde, knackende Schiff einen besoffenen Kurs zwischen zwei Wellen steuerte, und umklammerte eine Strebe, verbog sie.

»Fuck!«, fluchte She, als die Schlingerbewegungen des Schrottkahns sie ins Rutschen brachten und sie unkontrolliert auf der Schmiere der eigenen Scheiße durch die Promenadenzeile schleuderte.

Das monströse Ding schaute ihr verblüfft nach, stieß ein darmerschütterndes Gebrüll aus und schwang seine Masse vorwärts. Unter wildem ruderndem Einsatz von Händen und Füßen kam She hoch und brachte sich mit einem verzweifelten Hechtsprung außer Reichweite der vorschnellenden Klauenhände. Vier verfickte Stück mit zwanzig Minisäbeln. Unfair.

Hastig sah sie sich um. Keinerlei wirklich brauchbaren Waffen in Greifweite, alles … Sie schlug einen Salto, duckte sich unter der durch die Luft pfeifenden Krallenhand hindurch und landete mit Schwung in einem devastierten Bonbonladen. Keine Süßigkeiten, von den zu Stein gehärteten Kleberesten abgesehen. Dafür ein der Verkleidung gestrippter Stahlträger, der mehrere Decks querte.

Kawumm!

Die Tür wurde aus den Angeln gerissen, wie ein Blatt Papier davongeschleudert. Das Monstrum zwängte seine Masse in die Verkaufsbude, füllte sie zur Hälfte aus.

She sprang hoch, in Reichweite der zupackenden Pfoten. Sie duckte sich im allerletzten Moment und hörte mit grimmiger Befriedigung den dumpfen Aufschlag, mit dem eine geballte Faust gegen den Träger rammte. Jaulen begleitete den Treffer, als mehrere Krallen splitterten, die Finger spalteten und die Klauenhand verkrüppelten.

Zufrieden mit dem Etappensieg hechtete She durch das Fenster der Bude, rollte sich ab und lief los, zupfte an ihr klebende Splitter von den Klamotten. Hinter ihr explodierte die Kreatur aus dem Laden hervor, raste mit Schwung die Promenade entlang, packte zu und schwang sich mit Wucht aufwärts.

Das Wesen nutzte die drei verbliebenen Gliedmaßen, um sich Deck für Deck höher zu hanteln, bis es unter der Kuppel des Atriums ankam.

Dort stob das Ding wie ein Affe kopfüber vorwärts und ließ sich direkt über She fallen, die gerade dabei war, ihr Messer und ein Sturmgewehr aufzuklauben. Mit einem wütenden Aufschrei wich sie haarscharf aus, als die Killermaschine unmittelbar vor ihr das Deck durchschlug.

Frustriertes Gebrüll. Das Scheißwesen war eine Etage unter ihr im Boden stecken geblieben. Es zappelte hektisch, versuchte, sich zu befreien.

Breitbeinig und mit weichen Knien das Schlingern des Kahns abfedernd stand She am Rand des Lochs und richtete das Gewehr auf die Kreatur.

»Hasta la vista, Arschloch!« Sie drückte den Abzug. Innerhalb weniger Sekunden schlugen Dutzende Kugeln in das Mistvieh ein. Die meisten wurden erwartungsgemäß von der Panzerung entschärft. Aber die Masse zeigte Wirkung. Ein Geschoss fand den richtigen, entscheidenden Weg.

Die Patrone raste durch das wütend funkelnde Auge in den Schädel und zerplatzte darin. Die Splitter pürierten die Hirnmasse und drangen am Hinterkopf wieder aus, rissen Glibber und Knochenfragmente in einer Explosion mit sich.

Die Kreatur war hinüber.

»Leck mich«, knurrte She und ging Richtung Freitreppe, um die Kabine aufzusuchen. Auf der ersten Stufe durchzuckte ein Krampf den Unterleib, sie fiel auf die Knie und entleerte ein weiteres Mal den Darm. Wie viel von der Scheiße steckte denn noch in ihr?

»Scheiß auf arschwarm«, keuchte sie frustriert. Wenn sie denjenigen erwischte, der unmittelbar für die Zuteilung der Rationen zuständig war, dann …

Stöhnend kam sie wieder hoch, tat einen angewiderten Schritt. Der Boden stürzte unter ihr weg, ein harter Ruck fuhr durch das Schiff. Der Rumpf dröhnte wie eine gottverfluchte Glocke.

»Leck mich«, wiederholte sie und rannte die Stufen hoch, so schnell sie konnte.

04: Meeresfrüchte

She platzte in die Kabine, als Stella und der Captain dabei waren, sich hastig anzuziehen. Sein Schwanz, überzogen von ihrer feuchten Schmiere, baumelte noch aus der Hose, die er gerade hochzog. Stella grinste und zuckte mit den Schultern.

Großartig. Die beiden fickten einander das Hirn aus dem Arsch, während man sie auf Monsterjagd geschickt … oh nein. Nicht doch.

Sie war aufgrund ihrer weitreichenden Erfahrungen in Sachen Überleben unter extremen Bedingungen eindringlich darum gebeten worden. Luschen, Weicheier, Kackaffen. Das nächste Mal konnten sie an das Pflichtgefühl ihres Enddarms appellieren.

»Leck mich«, knurrte sie ein drittes Mal. Mäßig amüsiert, neiderfüllt. Sie wollte wenigstens in aller Ruhe am Klo sitzen und sich ausscheißen können.

»Oh Schatz, du riechst ziemlich streng«, rümpfte Stella die Nase und sah She angewidert an. »Weißt du, Fäkalspiele hin oder her, du bist einfach nur …«

»Halt die Klappe, feuchte Fut«, fiel She ihr ins Wort, warf dem verdatterten Captain eine Kusshand zu und blickte sehnsuchtsvoll in Richtung Bad.

Hier gab es Wasser, warm und sauber. Sie hasste das augenblickliche Gefühl. Die Scheiße begann zu trocknen und klebte den Stoff an die Haut und spannte und … wenigstens eine Minute …

Wumm!

Nichts da.

»Was ist das?«, fragte Stella den Kommandanten der Truppen, aber der zuckte mit den Schultern.

»Keine Ahnung. Entweder wir rammen irgendetwas …«

»Idiot«, unterbrach ihn She. »Natürlich stoßen wir gegen ein Hindernis. Rauf auf Deck und nachschauen.«

Während sie durch Flure und Treppen nach oben rannten, schlossen sich ihnen immer mehr Soldaten an. Jetzt, da die unmittelbare Monster-Bedrohung beseitigt war, kamen sie wieder aus den Verstecken.

Warum nur musste sie sich mit dem Gesindel abgeben? Sie war so zufrieden gewesen, als sie allein durch die Welt gestapft war.

Bis auf die Brückencrew war alles auf den Beinen, um krampfhaft die Reling zu umklammern, von Wellen bespritzt zu werden und nachzusehen, was …

»Heilige Scheiße!«

Ein gewaltiger Fangarm schoss aus dem Wasser in die Höhe, krachte auf das Deck, wild um sich peitschend, nach der schreiend auseinanderspritzenden menschlichen Fracht tastend.

Saugnäpfe von einem halben Meter Durchmesser schabten am verzogenen, rostenden Metall, rissen ein Rohr aus der Verankerung und wurden blitzschnell zurückgezogen. Verzweifelte Schreie gellten über Deck, schrien den Lärm von Wind und Wellen nieder, als ein Tentakel mit schnellen Bewegungen einen Soldaten um die Leibesmitte packte, umwickelte und dann zerquetschte.

Innereien quollen aus Mund und After, flatterten wie perverse Wimpel hinter dem zermatschten Körper, als er schwungvoll über Bord getragen wurde und in der See verschwand.

»Was ist das denn?«, entfuhr es Stella ungläubig.

»Ein überdimensionaler Tintenfisch«, gab der Kommandant verwirrt wieder. Irgendwie fand er es schwer zu begreifen, dass das, was er hier sah, tatsächlich echt war.

»Eine verfickte Mutation.« She hob das Gewehr an und leerte das Magazin in das Gewimmel von Fangarmen. Die Kreatur stieß ein zischendes Heulen aus, warf sich herum, das schlitzförmige Maul weit aufgerissen.

»Vagina dentata«, kommentierte She. So was hatte sie schon mehrmals gesehen. Einmal war sie davon sogar gefressen worden.

Von einem verfickten Baum.

Ein Tentakel schleuderte planlos über Deck, fegte zahllose Soldaten und Zivilisten – undiszipliniertes Gesindel, fluchte sie in Gedanken – zu Boden und einige auf die andere Seite der Reling – runter ins Wasser.

Das ohnehin aufgewühlte Meer schäumte wie gequirlte Wichse, als unzählige Körper nach der unverhofften Beute schnappten. Mäuler, Revolvergebisse, Flossen, Fangarme, Klauen, weiß der Teufel was alles stob in gieriger Hast durch die Wellen, um einen Anteil am Festfressen zu ergattern. Bong, bong, kawumm, dröhnte der Rumpf, und das Schiff erbebte.

Etwas Gewaltiges tauchte aus dem Ozean auf, durchstieß die aufgewühlte Meeresoberfläche wie ein U-Boot am Ende der Tauchfahrt.

Ein glatter, grau gefleckter Schädel, umgeben von unzähligen Tentakeln unterschiedlicher Dicke. Baumstämme und Finger. Alle wirbelten und wuselten und schlängelten seitlich am Bug des Schiffes hoch, griffen über die Reling, tasteten nach Futter. Das lief schreiend davon, ehe es sich auf die zur Verfügung stehenden Waffen besann oder vor Angst heulend ins Innere verschwand.

Die Soldaten begannen, wie verrückt zu schießen. Brocken von Fleisch, Stücke der Fangarme fielen auf das Deck, überzogen es mit einer Schmierschicht aus Schleim und merkwürdigen Flüssigkeiten.

Der Krake, dessen Schädel die Dimensionen eines Blauwals aufwies, war jedoch offensichtlich trotz der Verletzungen unwillig, die Beute entkommen zu lassen. Er machte sich daran, 200 Tonnen Kopf und noch mal 50 Tonnen Tentakel auf das Schiff zu stemmen.

The Sirene war eine Zeit lang eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt gewesen. Hypermodern, im Stil der Klassiker gebaut, mit Promenadendeck und allen Schikanen. Alles andere als ein Zwerg.

Das monströse Meerestier degradierte sie jedoch, und das alte, schwer überlastete Schiff gab der plötzlichen Last nach.

Der Bug wurde mit dem blechernen Dröhnen eines fernen Gewitters verbeult, eingedrückt, zerknittert wie Stanniol und abwärts gezogen. Das ehemalige Luxusschiff ging auf Tauchfahrt.

Währenddessen entleerten die Bewaffneten alles, was sie an Munition zur Hand hatten, in die monströse Kreatur, die sie in die eisigen, stillen Abgründe zu zerren drohte. Der Bug richtete sich nach unten, das Heck stieg hoch, das Schiff tauchte Meter für Meter ab, das Wasser schäumte das immer schräger stehende Deck aufwärts, gepusht durch den Wellengang.

Der Antrieb, zwei noch funktionierende 5-Blatt-Propeller und drei Bugstrahlruder, die den Behemoth vorwärtsbeförderten, taten ein Übriges, um die Situation zu verschlimmern. Warum stoppte der Kapitän nicht die Maschine? Hatte er Angst, das Ding nie wieder starten zu können?

Vermutlich.

Wahnsinn. Schiffsmotoren als Werkzeug des Untergangs.

Die Zahl der Geschosse, die in den Glibberleib einschlugen und Stücke herausrissen, ging in die Tausende.

Fangarme fielen ab, die glatte Oberfläche des Schädels verwandelte sich in eine verwüstete Mondlandschaft, und immer noch wich das Schiff nicht vom fatalen Kurs ab, blieb auf Sinkfahrt.

Wurde das Verhalten des angeschlagenen Monstrums erratischer? Schwärme kleinerer Kraken und unzählige Haie schlossen zum Treiben auf, gerieten bei der schier unglaublichen Masse an Beute in einen Fressrausch. Mit blindwütiger Gier fuhren sie auf den weichen Leib des Riesen, rissen kiloschwere Brocken aus dem Körper, kämpften um die fettesten Happen.

Endlich gelangten die ersten Kugeln an den alles entscheidenden Punkt. Der Schädel platzte auf, Tonnen von Gehirnmasse quollen hervor, das Tier krepierte. Der Zugriff der Fangarme kam zum Erliegen, der Kadaver rutschte von Bord. Der Bug schnitt in totes Oktopusfleisch.

The Sirene, schlagartig von einer enormen Tonnenlast befreit, hüpfte wie ein Buckelwal aus dem Wasser. Sie schwappte die auf Deck befindliche See Richtung Heck, spülte Teile der Menschen über die Reling, andere wurden durch geborstene Fenster und offene Luken ins Innere geschwappt.

Leute wurden umhergeschleudert, Knochen brachen, vereinzelte Glieder wurden abgerissen. Die Unglücklichen, die im Ozean landeten, gerieten mitten hinein in die hysterische Meute der Meeresbewohner, wurden augenblicklich zerfetzt und in Einzelteilen verschlungen.

Die überlastete Struktur des Schiffes kreischte, produzierte scheußliche Geräusche. Mit einem mächtigen Ruck bogen sich Elemente des verformten Bugs zurück, während andere Abschnitte das Limit der Belastung erreicht hatten und das Material den Strapazen nachgab.

Risse taten sich auf, Schweißnähte platzten, der Ozean presste sich mit Gewalt durch die aufklaffenden Öffnungen ins Schiffsinnere, weitete sie, durchpflügte das Labyrinth seit Jahrzehnten unbewegter Sicherheitsschotten. Kammern, Räume, Korridore liefen voll.

Die angeschlagene Sirene, einst der Stolz der Meere, jetzt ein Schatten ihrer selbst, ging in Schräglage, krängte. Die gerade erst auf die Beine gekommenen Soldaten rutschten und schlitterten über Deck. Hände krallten sich am nächstbesten Halt fest, die Knöchel weiß vor Anstrengung. Knochen knackten, Schreie erfüllten die Luft. Leute rollten, schlitterten gegen Hindernisse und die Reling.

Etwas barst.

Eine Schockwelle fuhr durch den Rumpf, und das Schiff richtete sich mühsam auf, nur um gleich kopfüber in ein Wellental zu tauchen. Die gesamte Struktur wurde verzogen. Verzweifelte versuchten, unter Deck zu gelangen, als die Schnauze des Seelenverkäufers donnernd ins Wasser tunkte und in die schwarze See hinabfuhr.

Mit einem wilden Aufschrei, in dem Panik und Zorn hemmungslos orgiastisch kopulierten, packte She Stella und riss den Waffengurt von der Hose.

Sie fesselte die Frau an der Hüfte an sich, holte tief Luft und presste den Mund an den der Partnerin. Gleichzeitig schlang sie Arme und Beine um ein relativ stabil wirkendes Rohr.

Und das in vollgeschissenem Zustand. Bin ich nicht sexy?

Das Wasser schlug nach ihr, heulte vor Eifersucht, spülte über sie. Es zerrte mit wütender Kraft an ihr, versuchte, den Klammergriff zu sprengen, die Finger zu lösen, sie zu ersticken und zu ersäufen und in die Abgründe der Ewigkeit zu zerren.

Für wertvolle Sekunden war sie geneigt, dem Ruf zu folgen, die Anstrengungen bleiben zu lassen, in die Tiefe zu sinken. Dorthin, wo es still und unendlich friedlich wäre. Sie war müde, voll Scheiße, fror, und alles erschien ihr irgendwie sinnlos.

Für welche Zukunft kämpfte sie eigentlich? Warum sich einem Leben stellen, dass außer Kampf nur Kampf bedeutete? Sisyphusarbeit.

Dann spürte sie Fingerspitzen und Handflächen ihrer Frau, die nach Halt tastete, packte mit Kraft zu, hielt sie in Position.

Darum. Fick dich, Ozean. Geh scheißen, Abyssus. Verpiss dich, Verlockung.

She spannte die Muskeln an, bis sie vermeinte, zerreißen zu müssen. Sie presste Luft in Stellas Mund, die ihr Gesicht zwischen die Hände nahm, um ihr – ausgerechnet jetzt – einen Zungenkuss angedeihen zu lassen.

Du und dein Timing.

Der Druck flachte ab, hielt inne, eine Sekunde Stillstand. Die Bewegung kehrte um und, die Sirene wurde von den Naturgewalten des Meeres aufwärts geboxt, tauchte mit der erschöpften Ausdauer eines Marathonschwimmers am Ende der Kraft aus den Wellen.

Hunderte Tonnen Ozean schwappten mit zerstörerischer Wucht durch den Rumpf in Richtung Heck, ein Tsunami unter Deck, der mit sich riss, was er erwischte. Immer noch funktionierte die Maschine, reine Sturheit hielt sie am Laufen.

Das Schiff sprang wie ein fetter Delfin hinaus in die von Feuchtigkeit gesättigte Luft und versuchte, in sechs Richtungen zugleich zu gelangen. Der Sog des Wassers brach zusammen, und She ließ los.

Probierte, sich der Umklammerung ihrer Frau zu entziehen, gab dem Verlangen der Partnerin nach.

Kawumm!

Der Seelenverkäufer kam zu einem abrupten Stopp. Die Vorwärtsbewegung schleuderte Leute herum, rammte die Gefährtinnen wie eine Abreißbirne über Deck, ließ sie wie Billardkugeln herumschnellen, ehe sie mit Schwung auf die Panoramatreppe krachten.

Morsche, durch ewige Feuchtigkeit weiche Holztäfelungen fingen den Knochen brechenden Aufprall ab, milderten ihn zu einer Ganzkörperprellung.

Ohrenbetäubendes Kreischen, das Schiff vibrierte, kippte seitwärts, bäumte sich auf und tanzte auf den Wellen weiter. Der Rumpf gurgelte und blubberte wie ein mit Alkohol überfüllter Magen kurz vor der Revolte.

»Scheiße, was haben wir gerammt?«

»Felsen, Tintenfische, was weiß ich. Das war der Todesstoß.«

»Felsen? Mitten im Ozean? Quatsch. Wir sind endgültig erledigt, nicht wahr?«

»Bestimmt.«

»Fuck.«

»Du sagst es.«

Sie rappelten sich auf. She ließ Stella frei, und gemeinsam hetzten sie hinunter zu ihrer Kabine. Noch war das Wasser nicht so hoch gestiegen, aber über den keuchenden Atemzügen vernahm die Kriegerin das Rauschen des Meeres im gefluteten Rumpf. Das Schiff lief mit zunehmender Geschwindigkeit voll.

She stieß die Tür auf, griff nach dem Gepäck und warf einen Blick aus dem Fenster.

»Oh Scheiße, vergiss es«, fauchte sie.

»Was?«

Ohne zu antworten, packte She ihre Partnerin, zerrte sie in wilder Flucht hinter sich her. Sie bahnte sich mit Ellbogen und Flüchen einen Weg zwischen kopflos herumirrenden Soldaten, verwirrten und panischen Passagieren und hektischen Besatzungsmitgliedern.

Inzwischen war das Tosen des Wassers unüberhörbar. Jetzt zählte jede Sekunde. Sie stürzten auf Deck. She warf einen Blick ins Meer und begann zu strippen. Überhaupt nicht peinlich, wenn einem die Scheiße auf der Haut klebt. Ach wo. Leck mich.

»Bist du verrückt?«, schrie Stella. »Was tust du da?«

»Ausziehen«, befahl She. »Alles weg, was uns in die Tiefe ziehen kann. Weder einen Fetzen Stoff noch eine Waffe oder irgendetwas.«

»Aber …«

»Klappe! Mach!«

Stella folgte hastig dem Beispiel ihrer Frau, während ringsum einige in der kopflosen Panik innehielten und mit offenem Mund zusahen, was die Zwei da machten. She hatte im Gegensatz zu Stella nicht mal die Option, den Slip anzulassen. Der war vollgeschissen. Weg damit.

Ich komme mir vor wie Druuna.

»Was ist mit Verletzungen?«

»Es ist besser zu bluten, als zu ersaufen«, schrie She. Hinter ihnen explodierte ein massiver Wasserstrahl aus dem Rumpf, schoss über das Deck und vereinte sich wieder mit dem Ozean. Das Schiff ging in Schräglage.

The Sirene war trotz des unabwendbaren Untergangs darum bemüht, ihre Fahrt bis zum letzten Augenblick fortzusetzen, und so stieg die See gemächlich bis zur Reling und schwappte darüber.

»Scheiße, ich pisse mich gleich an vor Angst.«

»Na, das ist wohl so egal wie selten zuvor«, lachte She und zog Stella hinterher, kämpfte gegen die Wucht des auf Deck strömenden Wassers an, um nach vorn zu gelangen. Binnen weniger Augenblicke war die unruhige Meeresoberfläche auf Hüfthöhe gestiegen.

She änderte den Kurs, strebte der Reling entgegen.

»Mit Schwung über Bord und weg vom Schiff, so schnell du kannst. Sollten wir uns aus den Augen verlieren, schwimm stur geradeaus. Ich tauche garantiert auf.«

»Wehe dir, es kommt anders, dann kriegst du Schläge von mir.«

»Wenn es dich anturnt, gern. Jetzt spar deinen Atem.«

Als sich die Frauen mit aller Kraft von der Reling abstießen, war das Hauptdeck schon mehr als einen Meter unter dem Meeresspiegel und sank unaufhaltsam tiefer. Die Sirene ging auf Tauchfahrt.

Ringsum schwammen Leute, rangen mit den Wellen um ihr Leben, während Verzweifelte versuchten, die oberen Decks zu erklimmen, bis zu den Rauchfängen zu gelangen.

Was wollen die da oben?

Schnelle, schlanke Schatten glitten durchs Wasser, und She, die alle Kraft aufwendete, um die Distanz zum Schiff zu vergrößern, dem Sog zu entkommen, fühlte eine gleitende Berührung am Bauch.

Nicht denken, schwimmen, befahl sie sich, behielt stur den eingeschlagenen Kurs bei und hoffte, dass Stella mithielt.

Eine Welle schlug über ihrem Kopf zusammen, sie schluckte und spuckte Salzwasser, hustete, würgte, verweigerte das Innehalten, um die brennenden Augen zu reiben. Die Konzentration galt einzig den Schwimmbewegungen, sie ignorierte das Rauschen im Rücken, als die letzte Luft aus dem Rumpf des sinkenden Kreuzfahrtschiffes gepresst wurde.

Die Sirene knackte und knirschte, gurgelte und rauschte wie zum Abschied, und kurz, bevor die Brücke die Wasserlinie erreichte, erscholl das Horn.

Überrascht drehte sich She herum und vermeinte, eine einsame Gestalt hinter einem der geplatzten Brückenfenster zu erkennen, die ihr zuwinkte. Das konnte sie nur imaginieren, unmöglich.

Der Kapitän geht tatsächlich mit dem Schiff unter, wunderte sie einen Augenblick. Warum? Fasziniert sah sie zu, wie das Wasser die Kommandozentrale verschlang, die reglose Gestalt im Fenster mitnahm. Dann ragten nur mehr die Schornsteine aus den Fluten, kippten weg, tauchten unter.

The Sirene war endgültig Geschichte. Trümmer und Überlebende sprenkelten die aufgewühlte See. Schön. Wer es schafft, hat Glück, wer nicht, hat Pech.

Sie konzentrierte sich neuerlich aufs Schwimmen, blendete die Welt aus dem Bewusstsein aus, reduzierte sie auf Hintergrundgeräusche ohne Bedeutung.

Sie vernahm Verzweiflungsschreie, erbrach Salzwasser, schlug im Reflex nach einem Meeresbewohner, der sie untersuchen wollte. Sie knirschte mit den Zähnen, als sie einen enormen Hai bemerkte, der wie ein Torpedo von vorn unten auf sie zukam.

She paddelte und drehte sich, bis sie ihm die Füße entgegenstreckte. Im letzten Moment, als das Maul mit dem dicht gespickten Revolvergebiss bereits weit aufgerissen war und sie schlundwärts blicken ließ, trat sie mit aller Kraft aus, rammte die Fußsohlen gegen die Schnauze.

Der Aufprall fuhr durch ihren Körper, und die ungebremste Wucht des Monstrums katapultierte sie aus dem Meer, schleuderte sie mehrere Meter in die Luft. Sie klatschte mit einer schmerzhaften Rückenlandung ins Nass zurück, tauchte unter, suchte hektisch nach dem Scheißvieh. So ein Glück würde sie nur einmal haben.

Irgendwo ertönten qualvolle Schreie von Panik und Schmerz. Eine fremde Stimme, wie sie erleichtert erkannte. Gut, der Räuber hatte einfachere Beute gefunden. Besser du als ich.

Sie kraulte zügig, um den Schatten unter ihr zu überqueren, monströs, mit Fortsätzen, die wie Seetang in der Brandung wogten. Vor den Tentakeln gab es kein Entkommen, aber diesmal schienen die Fangarme nicht an ihr interessiert zu sein.

She strebte unbeirrt vorwärts und stoppte die Flucht erst, als die Knie über weichen Untergrund schrammten. Sie blinzelte, als der Schmerz sie aus der milden Trance riss, nahm die Umgebung gezielt wahr und war bass erstaunt.

Sie befand sich in unmittelbarer Nähe einer weitläufigen Bucht, kniete im Sand. Dahinter die Linie eines Waldes. Hochragendes Grün, Berge.

Scheiße, Land.

Wie war das denn passiert? Sie hatte keine Erinnerung daran, das Eiland gesichtet zu haben. Und es musste eine Insel sein – Festland konnte man gar nicht übersehen.

War der blöde Dampfer etwa gegen einen Felsausläufer, ein umgebendes Atoll gedonnert?

Drauf geschissen, sie war an Land!

Zur Linken, vor den Felsen, das ziemlich mitgenommene Wrack eines Schiffes – kleiner als die Sirene. She wälzte sich mehrmals im Sand, schrubbte Hände voll davon zwischen den Schenkeln und Arschbacken, kam mühsam auf die Beine.

Genoss es, einige Sekunden zu stehen, die Zehen in einen verfickten Strand zu bohren, sie vom Sand kitzeln zu lassen und zur Abwechslung von hoffentlich harmlosen Wellen umspült zu werden.

Nackt, aber sauber. Absolut kein Grund zur Beschwerde.

Frischer Wind, der vom ewig bedeckten Himmel herabfegte, bescherte ihr eine Gänsehaut und steife Nippel. Sie stapfte ein paar Schritte auf das Schiffswrack zu, ehe sie die Sinnlosigkeit der Bemühung erkannte.

Die traurigen Überreste, die aussahen, als wären sie vor Jahrzehnten hier gestrandet, ließen noch die ehemalige Eleganz des Schiffes erkennen.

Schnittige Form. Sah aus, als wäre der Konstrukteur mit dem Winkelmaß zu Werke gegangen, um optimale optische Effekte zu erzielen. Ein ausladendes Deck, bei aller Modernität mehr als ein Hauch von Zeitlosigkeit in der Gestalt der Aufbauten.

Sie hätte gewettet, dass dieses Schiff einst einem Milliardär als ein auf Hochglanz poliertes, Eindruck schindendes Spielzeug zur Verfügung gestanden hatte.

Die Melancholie ausstrahlenden, immer noch ansehnlichen Überreste wurden nur mehr von Rost zusammengehalten. Der Name des Gefährts, den man seinerzeit wie eine Nielloarbeit in den Rumpf gearbeitet hatte, war unter dem Überzug des Verfalls vage erkennbar.

Bedeutungslos, aber kurios.

Welcher Eigner hatte aus was für einem Grund eine Mega-Jacht Witch Bitch getauft? Ein taktloser Seitenhieb auf die eigene Frau? Ein makabrer Spaß? Oder die simple Geschmacksverwirrung neureicher Proleten? Leute mit Millionen am Konto, jedoch den Schlüsselbund außen an der Hose tragend, diese Art von Widerlingen.

Vielleicht ein alter Fluch, der die verlorenen Seelen des Wracks nicht zur Ruhe kommen ließ? Der sie zwang, jeden Abend ihrem kühlen, feuchten Grab zu entsteigen und …

»Schh«, zischelte es leise in ihr Ohr.

Kalte, nasse Finger auf der linken Schulter. Klamme Berührung der nackten Haut am Steiß.

Der Flaum auf den Armen richtete sich auf.

Gänsehaut. Die Nippel wurden hart.

She wirbelte herum, die Fäuste erhoben.


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Der Beitrag [LESEPROBE]: Prinzessin: Die letzte Kriegerin (Bd. 3) erschien am 01.03.2018 auf JohnAysa.net


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